Eine christliche Kletterrüstzeit in der Sächsischen Schweiz
Vom 13. bis 20. Juni 2026 fand die Kletterrüstzeit der Jugendscheune Melaune e. V. in der Sächsischen Schweiz statt. Unterkunft war eine Ferienunterkunft in Gohrisch, zwischen Königstein und Bad Schandau. Zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Generationen waren dabei – vom fünfjährigen Kind bis zum Siebzigjährigen. Einige waren erfahrene Berg- und Kletterfreunde, andere noch etwas unsicher. Und dann war da noch ich: ein völliger Kletterneuling.
Ich reiste erst am Sonntag mit dem Zug entlang der Elbe an. Schon die Anreise durch das Elbtal war ein schöner Einstieg in die Woche. In Gohrisch wurde ich freundlich aufgenommen und fühlte mich schnell als Teil der Gruppe.
Unsere Unterkunft war für die Freizeit ideal. Wir waren in Doppel- und Dreibettzimmern untergebracht und hatten einen großzügigen Wohn- und Essbereich sowie einen Freisitz, auf dem wir abends gemeinsam essen konnten. Die Verpflegung übernahmen wir selbst. Jeder packte beim Frühstück und Abendessen mit an. Besonders angenehm fand ich, dass das Frühstück morgens nicht allzu früh begann. Dadurch fühlte es sich auch ein wenig wie Urlaub an.
Nach dem Frühstück leitete Tobias, der die Freizeit organisierte, eine Andacht. Wir wurden daran erinnert, was für uns im Glauben wichtig ist, konnten uns darüber austauschen und gemeinsam beten. Danach ging es meistens erst etwas später am Vormittag los.


Zu Fuß zum Felsen
Am Abend bekam ich zunächst eine Einweisung in die Kletter- und Sicherheitsausrüstung. Meine eigenen Kletterschuhe hatte ich mir erst zur Vorbereitung auf die Freizeit gekauft. Alles andere hatten die Geschwister aus der Gruppe mitgebracht oder mir ausgeliehen. Ich hatte wirklich keine Ahnung, was mich erwartete.
Dann wurden die Rucksäcke gepackt und es ging los. Allerdings nicht mit dem Auto bis direkt an den Felsen. Stattdessen liefen wir, mit festem Schuhwerk, Essen und Kletterausrüstung beladen, durch die schönen Kiefernwälder zu den umliegenden Felsformationen. Der Weg zum Fels dauerte teilweise ein bis zwei Stunden.
Dabei wurde mir schnell klar: Klettern in der Sächsischen Schweiz bedeutet nicht nur, an einer Felswand hochzuklettern. Es kann auch eine ordentliche Portion Bergwandern dazugehören.
Am Felsen angekommen, wurden die Seilschaften eingeteilt. Die erfahrenen Kletterer übernahmen die Verantwortung für die Sicherung und gingen bei den Routen als Vorsteiger voraus. Dabei wurden die notwendigen Sicherungen im Fels angebracht und das Seil entsprechend geführt. Die Nachsteiger konnten anschließend am gesicherten Seil folgen.
Gerade als Anfänger wurde mir dabei sehr deutlich: Beim Klettern ist Sicherheit das A und O. Knoten, Seile, Sicherungstechniken und die verwendete Ausrüstung wurden von den erfahrenen Leuten in der Gruppe immer wieder kontrolliert und aufmerksam überprüft. Das war für mich sehr lehrreich und gab mir von Anfang an das Gefühl, gut aufgehoben zu sein.

Mein erster Aufstieg
Als Anfänger kletterte ich zunächst ausschließlich im Nachstieg, also am bereits eingerichteten Seil. Dadurch war das Risiko eines schweren Sturzes sehr gering. Wenn die Kraft einmal nicht mehr reichte, hätte ich mich ins Seil setzen, kurz ausruhen oder auch wieder abgelassen werden können. Sehr praktisch.
Von unten sieht Klettern allerdings wesentlich einfacher aus, wie ich fand. Man sieht die anderen hinaufsteigen und denkt: Der Griff dort ist doch offensichtlich. Der nächste Schritt scheint klar. Die Bewegungen sehen logisch und beinahe selbstverständlich aus. Wenn man dann selbst an der Wand hängt, sieht der Fels plötzlich ganz anders aus.
Deshalb gut, dass wir überwiegend leichtere bis mittelschwere Routen kletterten, die unserem Können angepasst waren. Die jeweiligen Schwierigkeitsgrade forderten, aber überforderten uns nicht. Und am Ende haben wir es alle zusammen geschafft, oben anzukommen – ein schönes Erlebnis. Und dazu gehörte natürlich auch der bleierne Eintrag ins Gipfelbuch.
Mit jedem Aufstieg wuchs mein Vertrauen: zuerst in die Geschwister, die mich sicherten, und dann auch in das Material. Und dann auch in meine eigenen Fähigkeiten. Denn manchmal kam ich an eine Stelle, an der ich dachte: Hier geht es nicht weiter. Kein Griff schien erreichbar, kein guter Stand war zu sehen. Der Fels wollte mich nicht. Da blieb nur eines: nämlich durchatmen und es noch einmal zu versuchen.
Und erstaunlich oft tat sich dann doch noch ein Weg auf. Das hat etwas mit mir gemacht und mir gezeigt: Nicht aufgeben. Nicht verzweifeln. Noch einmal versuchen. Es gibt einen Weg. Diesen Gedanken habe ich von der Kletterwand mit in den Alltag genommen.


Hoch geht es leichter als runter
Interessanterweise war für mich das Hinaufklettern zunächst leichter als das Hinuntergehen. Das Seil wurde an einer festen Abseilstelle befestigt und dann ging es an teils senkrechten Felswänden hinunter. Oben zu stehen und sich rückwärts über eine Felskante in die Tiefe zu bewegen, verlangt mir hier noch einiges an Überwindung und Vertrauen ab.
Dabei musste ich an die vielen Stellen in der Bibel denken, an denen Gott uns auffordert, ihm zu vertrauen und mutig zu sein. Gerade Josua wird immer wieder daran erinnert, stark und mutig zu sein und sich nicht zu fürchten. Warum nicht auch ich hier am Felsen und im Leben? Beim Klettern konnte ich ein kleines Stück davon praktisch erleben. Ich wusste, es wird alles halten, aber dennoch galt es, zu vertrauen und einen Schritt ins Leere zu machen.
Vielleicht ist genau das auch eine Übung für unseren Glauben: Vertrauen bedeutet nicht, dass keine Angst da ist. Vertrauen bedeutet, trotzdem den nächsten Schritt zu gehen.

Wenn Sicherheiten zu Hindernissen werden
Ein Erlebnis machte ich mit den Sicherungen, die beim Klettern im Fels angebracht werden.
Für den Vorsteiger sind sie lebenswichtig. Sie sorgen dafür, dass ein möglicher Sturz begrenzt wird. Der Nachsteiger hat es an dieser Stelle leichter, weil er vom Seil gehalten wird. Allerdings muss er die Sicherungen, die er beim Aufstieg erreicht, nach und nach aus dem Seil aushängen.
Bei einem meiner Aufstiege kam ich an einer Stelle nicht mehr weiter. Irgendetwas schien mich zurückzuhalten. Dann bemerkte ich: Eine Sicherung hatte ich übersehen, sie hing noch im Seil – und hinderte mich nun daran, weiterzukommen.
Das hat mich nachdenklich gemacht. Ist es im Leben nicht manchmal genauso? Es gibt Dinge, die uns einmal Sicherheit gegeben haben. Sie waren vielleicht wichtig und richtig und haben geholfen, schwierige Situationen zu bewältigen. Aber irgendwann können genau diese Dinge anfangen, uns zurückzuhalten. Manchmal merken wir zunächst gar nicht, was uns eigentlich hindert. Wir fühlen nur: Es geht nicht weiter. Dann kann es notwendig sein, genauer hinzusehen und alte Sicherheiten loszulassen.
Im Glauben klettern wir nicht allein
Während der Freizeit habe ich noch andere schöne Parallelen zwischen Klettern und meinem Glauben entdeckt.
Eine davon ist für mich besonders wichtig geworden: Wir klettern nicht allein. Beim Klettern hängt mein Leben sprichwörtlich am Seil eines anderen Menschen. Ich muss darauf vertrauen, dass derjenige am anderen Ende aufmerksam ist und mich hält. Gerade als Anfänger habe ich dieses Vertrauen Schritt für Schritt gelernt. Auch im Glauben sind wir nicht dazu geschaffen, alles allein zu bewältigen. Neben Gott gibt es Geschwister, die uns halten können, wenn es schwierig wird. Menschen mit mehr Erfahrung, die uns zur Seite stehen, wenn wir selbst nicht wissen, wie es weitergeht.
Und schließlich sehe ich darin auch ein Bild für Jesus: Er ist uns vorausgegangen – bis hinauf in den Himmel. Sein „Seil“ reicht gewissermaßen bis zu uns auf die Erde. Wir sollten es ergreifen und ihm vertrauen. Denn als Nachsteiger können wir nicht aus eigener Kraft und sicher aufsteigen, wir sind auf seine Zusagen und Sicherheiten angewiesen, dass er uns hält und sicher hochbringt. Wir lernen darauf zu vertrauen, wie und dass Jesus uns hält – und aus Gnade.



Besondere Höhepunkte
Zu den besonderen Erlebnissen der Kletterrüstzeit gehörten für mich vor allem zwei Felsen.
Der erste war die etwa 35 Meter hohe Gorischscheibe am Gohrisch. Der Zustieg verlief urig durch Felsklüfte, Treppen und einen horizontalen Kamin. Der Aufstieg war nicht mehr weit, aber dennoch nicht ohne Schweiß und Mühen. Umso beeindruckender war anschließend das Abseilen von 35 Metern in einem Zug (folgende zwei Bilder).


Eine andere Dimension war der etwa 80 Meter hohe Vordere Gansfels im Bereich der und mit Blick auf die Bastei bei Rathen. Der Fels bot ganz unterschiedliche spannende Strukturen und Felsformationen. Auf dem Rückweg gab es dann gleich vier Abseilösen. Die Höhe und die verschiedenen Passagen machten diesen Felsen zu einem besonderen Erlebnis. Gerade solche Momente bleiben hängen: oben auf dem Felsen zu stehen, den Blick über die Sächsische Schweiz schweifen zu lassen und zu wissen: Ich bin tatsächlich irgendwie hier hochgekommen.
Was bleibt
Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, bleibt bei mir mehr als die Erinnerung an schöne Felsen und tolle Ausblicke. Ich habe gelernt, dass Vertrauen wachsen kann. Es lohnt sich, nicht gleich aufzugeben, wenn der nächste Griff nicht gleich sichtbar ist, sondern durchzuatmen und es noch einmal zu versuchen. Schritte zu tun trotz Muffensausen, alte Sicherungen zu überdenken und darauf zu vertrauen, dass jemand anderes mich hält.
Ich bin dankbar, dass ich bei dieser Kletterrüstzeit dabei sein durfte. Als absoluter Kletterneuling wurde ich von der Gruppe freundlich aufgenommen und konnte viele neue Erfahrungen sammeln.
Und allen, die sich bisher vielleicht noch nicht getraut haben, kann ich nur sagen: Kommt mit! Ein bisschen Fitness braucht man natürlich – schließlich gehören auch die Wege durch die Berge dazu. Aber man muss kein Profi sein. Man wird an Grenzen kommen, aber dabei auch wachsen.

Vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr in der Sächsischen Schweiz.
Thilo Damerau – Berlin
